Dr. Axel Bernstein – Digitales Lernen muß endlich in der Bildungspolitik dieser Regierung ankommen

Dr. Axel Bernstein MdL

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„Der digitale Wandel bietet große Chancen, unseren Wohlstand und die Lebensqualität zu steigern und Deutschlands Zukunftsfähigkeit zu sichern. Die positive Wirkung der Digitalisierung wird sich nur entfalten, wenn dieser Wandel in der Mitte der Gesellschaft verankert ist und von allen gesellschaftlichen Gruppen angenommen und aktiv mit gestaltet wird.“

Mit diesen Worten umreißt die Bundesregierung den Prozess der Digitalen Agenda. Mit der Digitalen Agenda hat die Bundesregierung einen umfassenden, ressortübergreifenden und offenen Prozess geschaffen, der geeignet ist, Deutschland zu einer digitalen Zukunftsgesellschaft zu machen.

Dafür ist es auch höchste Zeit, denn heute sind wir als führende Exportnation, als bedeutender Wirtschaftsstandort und als Motor der EU im Bereich Digitalisierung noch nicht da, wo wir sein sollten.

Digitalisierung bedeutet nicht, den Brockhaus durch Wikipedia und die Landkarte durch das Navi zu ersetzen. Digitalisierung wird eine Veränderung unserer Gesellschaft und Lebenswelt wie zuvor vielleicht nur die Industrialisierung bedeuten.

Darauf muss natürlich auch die Bildungspolitik reagieren. Noch besser wäre es, sie reagiert nicht nur, sondern sie wäre ein oder zwei Schritte voraus.

Die Digitale Agenda setzt auch hier an und stößt eine Strategie „Digitales Lernen“ an. Der Antrag der Piraten greift einige richtige Punkte aus der Digitalen Agenda auf. Digitale Endgeräte für alle Schüler, Internetzugang in Unterrichtsräumen, Nutzung von frei lizenzierten Bildungsmedien und Forschungsförderung für Medienpädagogik. Alles richtig – wir müssen nur darauf achten, nicht den zweiten oder dritten Schritt vor dem ersten zu machen.

Bislang war nämlich die Landesregierung weit davon entfernt, in ihrer Bildungspolitik eine Wende in Richtung digitaler Zukunft zu geben. 98 Prozent der Jugendlichen nutzen das Internet und die ursprüngliche Trennung von realer und virtueller Welt erscheint ihnen zunehmend fremd.

Elektronische Medien und der kompetente Umgang mit ihnen spielen in der Schule demgegenüber oft immer noch eine untergeordnete Rolle.

Deutschlandweit bieten derzeit nur 7,5 % der Schulen den Schülern Zugang zu einem PC, Notebook oder Netbook im Klassenzimmer. Und das ist kein Vorwurf an die Schulträger, denn die beste Ausstattung nützt nichts, wenn das Konzept fehlt.

Bei allem Engagement vieler Lehrkräfte – ein fächerübergreifender und integrativer Einsatz digitaler Medien darf kein Zufallsprodukt sein, sondern muss zum evaluierbaren Standard werden.

Die Initiative des Bundes ist gut – aber wo wenn nicht hier – in der Bildungspolitik – könnte das Land mal zeigen, wie toll man Zukunft kann.

Wie steht es mit der Medienbildung und Medienkompetenz in den Lehrplänen? Wie steht es mit Medienbildungskonzepten in den Schulprogrammen? Wie steht es mit den Curricula und Prüfungsordnungen für Lehrkräfte?

Welche Initiativen gibt es, um mobile Endgeräte für Schüler in der Schule nutzbar zu machen?

Welche Initiative gibt es, um dazu vielleicht erst einmal Standards zu schaffen?

Wie steht es mit einer Infrastruktur für Betreuung der Systeme und technischen Support?

Wie steht es mit Fachberatern, wie sie Bayern, Rheinland-Pfalz und das Saarland bereits haben?

Wie steht die Landesregierung zur „Schul-Cloud“?

Die bisherige Bildungsministerin hatte ja ganz andere Schwerpunkte. Jetzt könnte man statt 70er-Jahre Bildungsstrukturpolitik ja mal Zukunft machen. Unser Ziel ist es, dass kein Schüler mehr die Schule verlässt, ohne eine grundlegende Medienbildung und Medienkompetenzentwicklung genossen zu haben. Dazu wollen wir auch in diesem Bereich ergänzend eine Exzellenzförderung. Wir können uns gut die Einführung von Profilschulen IT/Digital vorstellen.

Der vorliegende Antrag beleuchtet einen Teil der Herausforderung und ich freue mich, wenn er im Ausschuss vielleicht den Anstoß liefert, um endlich auch hier im Lande Schwung in das Thema zu bringen.

 

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